Freitag, 15. März 2013

Der große Bruch in der Personalbeschaffung: Erst persönlich und emotional angesprochen, dann massenhaft unpersönlich abgewickelt

Vor einigen Wochen habe ich hier über Bewerber-Conversion gesprochen. Heute möchte ich noch einmal über dieses Thema sprechen, aber mit etwas anderem Fokus.

Die Karrierebereiche auf den Unternehmenswebsites werden immer üppiger. Teilweise werden sogar Microsites für nur eine Bewerberklientel erschaffen. Für letzteres ist REWE ein prima Beispiel. Mit „Ich mach’s besser!“ hat REWE eine Sonder-Website gestalten lassen, die sich explizit an potentielle Auszubildende bzw. an die Zielgruppe Schüler richtet. Das Ganze ist wirklich nicht schlecht gemacht …

Heute geht es aber um den Bruch der zwischen der flippigen Ansprache und der nüchternen Bewerberabwicklung entsteht und die Frage: Wie können vorallem großen Unternehmen dem zentralen Wunsch der Bewerber gerecht werden und diese individuell behandeln?

Ich habe mal versucht mich in einen Bewerber zu versetzten und bin den Weg nachgegangen, den ein Jugendlicher gehen muss, um sich bei REWE zu bewerben. (Für die Kritiker gleich vorweg: „Natürlich ist das total subjektiv!“) Hier meine Applicants-Journey:

- Ich lande, weil ich beim Einkauf mit meiner Mutter das Plakat gesehen habe, auf der Website „Ich mach`s besser!“ . Ich finde, die Website ist „voll klasse!“ (oder so) und habe verstanden: REWE braucht mich! Vorallem bin ich da nicht irgend ein „Neuer“, sondern wichtig und wertgeschätzt. Will mal sehen, ob es offene Stellen gibt …

- Über eintausendachthundert freie Ausbildungsplätze. Puh, ich fühle mich erschlagen. Dabei weiß ich doch noch gar nicht so richtig, was ich werden will … ich gebe meine Berliner Postleitzahl ein. Noch 24 freie Gesuche. Hm, … ich klicke eine an.

- Es öffnet sich ein PDF. Eine Stellenanzeige. Hier heißt es: „Es dreht sich alles um die Abläufe im Markt hinsichtlich der Bestellung und des Verkaufs der Waren.“ Die Infos sind dünn. Aber da! Da gibt es einen Ansprechpartner. Wer sich wohl hinter dem Namen verbirgt? Kein Titel, kein Bild? Ob ich da wirklich anrufen kann?

- So richtig persönlich fühle ich mich nicht mehr angesprochen. Ich entschließe ich mich dennoch, mich bei REWE zu bewerben. Die Maske nervt. Auf der zweiten Seite habe ich irgendwie „keinen Bock“ mehr. 

- usw.
















Das Auf und Ab der Gefühle habe ich mal versucht zu skizzieren:


Bitte nicht falsch verstehen! Ich finde, REWE macht das ziemlich gut. Deutlich wird dennoch: Es ist für große Unternehmen unendlich schwer zu beweisen, dass der Einzelne im Unternehmen wirklich etwas wert ist, gesehen wird und nicht in der Masse untergeht.

Wenn aber gerade in der heutigen und noch mehr in der morgigen Gesellschaft der Wunsch seitens des Arbeitnehmers ist, Teil zu haben, sichtbar zu sein, sich einzubringen bzw. nicht nur einer von vielen zu sein, was dann? Wie kann man tausende Bewerber, ehrlich, individuell und immer wertschätzend behandeln? Ich hab dafür noch keine Lösung. Sie vielleicht?

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