Freitag, 13. September 2013

Der Wandel der Arbeit – Visionäre in der Krise

Früher war es einfach, neue Mitarbeiter zu rekrutieren – nun gut, früher war ja eh alles besser. Arbeitgeber haben Dienstwagen, Handys (beides auch für die private Nutzung) und betriebliche Altersversorgungen als Anreize angeboten. In einigen Branchen mag das auch heute noch funktionieren – der Großteil der Berufseinsteiger hat jedoch ganz andere, viel eher immaterielle Anforderungen. Da geht es eher um Selbstverwirklichung und einen Sinn in der eigenen Arbeit zu finden.

Im Rahmen meiner beruflichen Auszeit bin ich für mehrere Wochen nach Lissabon gereist, um mir hier anzuschauen, welche Anforderungen junge Menschen an ihren Job haben – besonders im Kontext der Krise. Also habe ich mich mit mehreren Leuten getroffen, darunter auch vielen Entrepreneuren.

Ich treffe Lina und João von Daring Project, einem Zusammenschluss aus jungen Entrepreneuren, die ein neues und nachhaltiges Konzept von Arbeit schaffen wollen. Wichtig ist ihnen, ein hohes Maß an Freiheit zu haben, gleichzeitig aber auch die Sicherheit im Job. Genauso wie in Deutschland ist es hier das Ziel, einen Job zu haben, der Sinn stiftend ist und Spaß macht. Damit unterscheidet sich die Generation der Jüngeren hier in Portugal nicht wesentlich von uns in Deutschland.

Hier wollen sie allerdings mit ihren Visionen und Projekten einen grundlegenden Wandel herbeiführen – an erster Stelle steht das Individuum. Dabei geht es um die Fragen: Wie will ich arbeiten und was können wir dabei für unser Land tun? Jeder Arbeitnehmer, egal ob selbständig oder angestellt, sollte sich bewusst sein, dass er seinen Beitrag leisten kann und auch sollte.

Die Krise sehen sie beide als eine große Chance, um Veränderungen herbeizuführen. Ein Risiko ist immer dabei, dessen sind sich beide bewusst– aber dies ist besser, als einfach nur tatenlos zuzusehen. "Wir müssen aufwachen und beim Aufbau helfen. Wir haben die Möglichkeit, unsere Zukunft mitzugestalten. Das sollten wir nutzen", sind sich Lina und João einig.

Diese visionäre Einstellung vermisse ich bei uns. Wir sind mittlerweile nur getrieben von Zahlen – KPIs und Umsätze müssen stimmen, für Kreativität und Visionen fehlt oftmals die Zeit. Versteht mich nicht falsch, ohne Umsätze kann ein Unternehmen nicht bestehen, wir dürfen uns nicht in Träumereien verlieren – das ist mir bewusst. Doch sollten wir es schaffen, ein gesundes Mittelmaß zu finden und eine neue, bessere Arbeitsqualität schaffen – auch das ist ein Anreiz, sogar ein sehr wichtiger, bei der Gewinnung neuer Arbeitnehmer.

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