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Dienstag, 8. April 2014

Teil II: KUNUNU behandelt Arbeitgeber schlecht und verdient gut dabei!

"Ja, also finde ich echt nicht "OK" so. Man wird voll von KUNUNU untergebuttert. So. Voll nicht fair behandelt und so. Und gemein. Immer. Man bekommt von KUNUNU als Arbeitgeber auch keine Benefits. Nie wird man wirklich gelobt. Is echt Scheiße! Kann ich nicht empfehlen. Vergeudete Zeit. Vergeudetes Geld. So."




So oder so ähnlich stellen sich Bewertungen auf KUNUNU dar, wenn es um die Arbeitgeber geht. Jede Behauptung bzw. Kritik kann im Prinzip nach Lust und Laune veröffentlicht werden. KUNUNU ist das egal. Im Gegenteil. KUNUNU fördert diese Jux- und Dollerei-Bewertungen durch die Expressbewertung auf XING. Warum? Ich werde es ihnen verraten. Es geht schlicht um Reichweite und Marktmacht. Wirklich. Das hat nichts mit fairer Bewertung zu tun. Es geht darum, schnell überall im Web sichtbar zu sein und die Marktmacht zu festigen. Das ist alles. Es geht um Geld.

Das jedoch gerade kleine Unternehmen, vor allem diejenige unter ihnen, denen es schlecht geht, die restrukturieren müssen, damit großer Schaden zugefügt wird, das wird voll in Kauf genommen. Die Arbeitgeber haben kaum eine Chance sich zu wehren. Bei Verleumdung und dem Versuch solche zu löschen geht eine endlose Diskussion mit KUNUNU los, mit Antworten, wie:

Wie bereits mitgeteilt, werden wir die beanstandete Bewertung überprüfen und dem User die Möglichkeit geben, zu reagieren. Bis zur Reaktion des Users bleiben die Textpassagen dieser Bewertung deaktiviert. Die Bewertungspunkte bleiben in diesem Fall bestehen. Sollten Sie anzweifeln, dass es sich bei dem User um einen Bewerber handelt, können wir einen Bewerbungsnachweis anfordern. Wir möchten Sie erneut auf die Möglichkeit der Stellungnahme für Unternehmen hinweisen, um Ihre eigene Sichtweise auf die tatsächlichen Gegebenheiten in Ihrem Unternehmen zu transportieren. Diese Stellungahme steht Ihnen kostenfrei zur Verfügung und bildet auch die finale Reaktion auf kununu.com. Bewerter können auf die von Ihnen veröffentlichte Stellungnahme nicht mehr reagieren. Eine Diskussion von Seiten anderer User ist hier also nicht möglich. Durch eine sachliche Stellungnahme vermitteln Sie nicht nur Wertschätzung an Ihre Mitarbeiter, sondern Sie nehmen durch eine Moderationsrolle den negativen Bewertungen ihre Schlagkraft und ergänzen diese sogar durch positiven Input von Ihrer Seite.

Bei den Bewertungssternen handelt es sich eindeutig um Werturteile, die von Nutzern angegeben wurden und im Rahmen ihrer Meinungsfreiheit gemäß Art. 5 GG geschützt sind (siehe zur Charakterisierung als Werturteil BVerfG, Beschluss vom 27.02.2003, Az. 1 BvR 1811/97; BGH ZUM 2009, 753 - spickmich.de). Es handelt sich um eine bloße persönliche Einschätzung, die durch die Elemente des Meinens und Dafürhaltens geprägt ist - ein "Richtig" oder "Falsch" gibt es nicht.
Für eine Meinungsäußerung ist kein sachlich beweisbarer Grund erforderlich. Offensichtlich ist mit der Bewertung mit einem Stern auch nicht die Grenze zur Herabsetzung oder Schmähkritik überschritten. Sie werden Verständnis dafür haben, dass eine Bewertungsplattform wie kununu.com,
die für einen offenen Meinungsaustausch steht, dies grundsätzlich nicht akzeptieren kann.
Bekanntlich besteht nach der höchstrichterlichen Entscheidungspraxis auch kein Anspruch auf eine positive Darstellung in der Öffentlichkeit.

Leider gibt es auch keine Lobby, die sich für dieses Thema interessiert. Als ich zum Beispiel die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg gefragt habe, was sie davon halten, hies es lapidar: "Jegliche Formen von Bewertungsportalen gehören heute in Zeiten der digitalen Kommunikation zum Alltag. Von daher ist gegen Portale wie Kununu grundsätzlich nichts einzuwenden. Sie liefern für Bewerber wertvolle Informationen, bergen für Arbeitgeber aber natürlich auch Gefahren." Ah, ja, vielen Dank.

Der zweite Effekt der durch die Expressbewertung erzielt wird: Durch die vermehrte Bewertung von Arbeitgebern, fühlen sich Arbeitgeber gezwungen auf KUNUNU aktiv zu werden. In der Folge sprechen sie die glücklichen Mitarbeiter an, um auch positive Bewertungen zu bekommen. Damit steigt wiederum die Reichweite on KUNUNU und so weiter ...

Und wofür? An dieser Stelle wiederhole ich mich gerne: Es geht nicht um fairer Bewertung. Es geht darum, schnell überall im Web sichtbar zu sein und die Marktmacht zu festigen. Das ist alles. Es geht um Geld. 

Freitag, 21. Februar 2014

"Ich hab gehört, KUNUNU behandelt seine Mitarbeiter schlecht!" oder: Die ungerechte Employer Branding 2.0 Welt

Zuletzt haben Artikel, wie >> Einwurf: Das neue Kununu - und die Gefahr der „ADAC Falle“ << in der HR-Szene Wellen geschlagen. Trifft sich ganz gut, weil mir zu Kununu seit einiger Zeit auch etwas unter den Nägeln brennt ... es reicht sogar für den ersten Zweiteiler in diesem Blog.



Teil I: Ungleich im Dialog

Das Bewertungsportal Kununu wird schon lange unter Arbeitgebern heiß diskutiert. Viele Personaler fühlen sich ausgeliefert. Wann immer ich selbst mit meinen Kollegen darüber gesprochen habe, heißt es oft fast verzweifelt: "Die Mitarbeiter lassen dort einfach nur den Frust raus und man kann einfach nichts machen ... und alles das, was umgesetzt wurde und den Arbeitnehmern zu Gute kommt, das fällt unter den Tisch!" Es würden dabei vor allem diejenigen Mitarbeiter, deren Vertrag nicht verlängert wurde, Ärger mit dem Chef haben oder vielleicht sogar gerade eine Abmahnung bekommen haben, sich öffentlich beschweren. Ähnlich ist es bei den Bewerbern. In der Regel würden sich immer nur diejenigen melden, die es nicht zum Gespräch geschafft haben.

Es ist eine absolute Rarität, wenn mal freiwillig und ohne Hinweis jemand aus der Belegschaft auf die Idee kommt, seinen Arbeitgeber positiv zu bewerten.

Im Grunde handelt es sich bei Kununu daher eigentlich nicht um ein Bewertungsportal, sondern um einen in Butterblumen eingewickelten Shitstorm. Hm, wenn man noch etwas darüber nachdenkt, dann ist es vielleicht sogar unfairer als in einem x-beliebigen Shitstorm. Die Macht-Verhältnisse sind im Web nämlich in der Regel so, dass beide Seiten die gleichen Rechte haben. Als Administrator eines eigenen Blogs oder der FB Seite, kann ich sogar auch mal Statements löschen, die einfach nicht richtig sind oder diffamieren.

Bei Kununu liegt die Macht bei den unsichtbaren Administratoren. Arbeitgeber sind von ihnen und ihrem Urteil abhängig. Bewertet jemand mit nur einem Punkt und gibt ein böses Statement dazu ab, dann wird zwar schon mal (nach zähem Ringen mit dem Kununu-Support) eine Falschaussage o.ä. gelöscht. Die miese Punktzahl bleibt jedoch stehen. Die Begründung dazu hört sich dann so an:

"Bei den Bewertungssternen handelt es sich eindeutig um Werturteile, die von Nutzern angegeben wurden und im Rahmen ihrer Meinungsfreiheit gemäß Art. 5 GG geschützt sind (siehe zur Charakterisierung als Werturteil BVerfG, Beschluss vom 27.02.2003, Az. 1 BvR 1811/97; BGH ZUM 2009, 753 - spickmich.de).

Es handelt sich um eine bloße persönliche Einschätzung, die durch die Elemente des Meinens und Dafürhaltens geprägt ist - ein "Richtig" oder "Falsch" gibt es nicht. Für eine Meinungsäußerung ist kein sachlich beweisbarer Grund erforderlich. Offensichtlich ist mit der Bewertung mit einem Stern auch nicht die Grenze zur Herabsetzung oder Schmähkritik überschritten.

Sie werden Verständnis dafür haben, dass eine Bewertungsplattform wie kununu.com, die für einen offenen Meinungsaustausch steht, dies grundsätzlich nicht akzeptieren kann. Bekanntlich besteht nach der höchstrichterlichen Entscheidungspraxis auch kein Anspruch auf eine positive Darstellung in der Öffentlichkeit."


Fazit? Obschon manchmal Falschaussagen oder Diffamierungen gelöscht werden, weil vereinzelt selbst Kununu einsieht, dass derjenige, der das Unternehmen bewertet hat, Unsinn erzählt hat, bleibt die Sternchenbwertung stehen, die damit in Zusammenhang stand. What?

Machen solche (siehe unten) Bewertungen wirklich Sinn?









Warum gilt hier nicht auch im Ansatz "in dubio pro reo“? Ist Kununu die Reputation der Unternehmen in Deutschland so wenig wert? Meine Meinung:

  • Schlechte Bewertungen sollten nur dann zugelassen werden, wenn der Arbeitgeber (vor Veröffentlichung!) die Gelegenheit hatte Stellung zu nehmen - denn Falschaussagen dürfen nicht online gehen und bis zur Löschung hunderte von Klicks erreichen. 
  • Sternchenbewertungen dürfen nicht online gehen, wenn keine nachvollziehbare Begründung angegeben ist (die Expressbewertung muss wieder abgeschafft werden!)
  • Sternchenbewertungen müssen gelöscht werden, wenn sie in Zusammenhang mit Falschaussagen und / oder Diffamierung standen.

Die Basis für die Kommunikation im Social Web ist Fairness und nicht einfach nur: "Feuer frei!" Behauptungen, wie im Titel von diesem Blogpost, sind einfach unfair und schlimm, wenn man sich nicht wirklich wehren kann. Vielen Arbeitgebern (und ihren Personalern) geht es jeden Tag auf Kununu so.

Freuen Sie sich auf den nächsten Freitag und Teil II, wenn es um das schiefe Bild gehen wird, das von Kununu bewusst unterstützt gefördert wird und warum Expressbewertungen und schiefe Bilder dem Businessmodell von Kununu zuträglich sind.

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